In der Produktion führen Mitarbeitende häufig dieselben Tätigkeiten hunderte oder sogar tausende Male pro Tag aus. Diese wiederholten Bewegungen können den menschlichen Körper dauerhaft belasten – insbesondere wenn ein hohes Arbeitstempo, ungünstige Körperhaltungen oder schlecht konzipierte Arbeitsplätze hinzukommen.
Über einen langen Zeitraum können sich wiederholte Tätigkeiten auf Muskeln, Nerven und Sehnen auswirken und sogenannte Repetitive Strain Injuries (RSI) bzw. Verletzungen durch wiederholte Belastungen verursachen. Unternehmen können diese Risiken reduzieren, indem sie die Ergonomie verbessern und Arbeitsplätze konsequent an die Menschen anpassen, die dort arbeiten.
Welche Risiken entstehen durch wiederholte Bewegungen?
Verletzungen durch wiederholte Bewegungen können nahezu jeden Körperbereich betreffen, der regelmäßig dieselben Bewegungen ausführt. Hände, Handgelenke, Arme, Schultern, Nacken und Rücken sind besonders gefährdet, wenn Mitarbeitende während des gesamten Arbeitstages dieselben Bewegungsabläufe wiederholen.
Zu den bekannten Beschwerden gehört beispielsweise das Karpaltunnelsyndrom (Carpal Tunnel Syndrome), bei dem ein Nerv im Handgelenk beeinträchtigt wird. Auch Verletzungen der Rotatorenmanschette (Rotator Cuff) können durch wiederholte und belastende Bewegungen der Schulter entstehen. Eine dauerhafte Überbeanspruchung kann dabei insbesondere Nerven und Sehnen belasten.
Verschiedene Risikofaktoren können die Wahrscheinlichkeit arbeitsbedingter Beschwerden erhöhen. Dazu gehören eine hohe Wiederholungsrate, kraftaufwendige Bewegungen, ungünstige Körperhaltungen, unzureichende Erholungszeiten und ergonomisch schlecht gestaltete Arbeitsplätze. Treffen mehrere Risikofaktoren zusammen, entsteht eine hohe körperliche Belastung für die Mitarbeitenden.
Solche Beschwerden treten nicht ausschließlich in der Industrie auf. Auch Menschen, die regelmäßig Sport treiben, können durch die wiederholte Belastung bestimmter Muskeln, Nerven oder Sehnen Verletzungen durch Überbeanspruchung entwickeln. In der Produktion können Unternehmen jedoch viele dieser Risikofaktoren direkt durch eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und eine geeignete Arbeitsorganisation beeinflussen.
Wie kann Ergonomie Verletzungen durch wiederholte Bewegungen reduzieren?
Ein gut gestalteter Arbeitsplatz ermöglicht es Mitarbeitenden, ihre Aufgaben mit weniger unnötigen Bewegungen und geringerer körperlicher Belastung auszuführen.
Passen Sie die Höhe des Arbeitsplatzes an. Eine ergonomisch einstellbare Arbeitshöhe unterstützt eine natürliche Körperhaltung. Höhenverstellbare Arbeitsplätze ermöglichen es außerdem, den Arbeitsplatz an unterschiedliche Körpergrößen und verschiedene Produktionsaufgaben anzupassen.
Positionieren Sie Werkzeuge und Komponenten in unmittelbarer Reichweite. Mitarbeitende sollten sich nicht ständig strecken, drehen oder beugen müssen, um benötigte Materialien zu erreichen. Häufig verwendete Komponenten sollten deshalb möglichst nah am Bediener positioniert werden. Das reduziert unnötige Bewegungen und verbessert gleichzeitig den Arbeitsablauf.
Setzen Sie ergonomische Arbeitsmittel und Ausstattung ein. Materialbereitstellungssysteme, geneigte Ablagen, höhenverstellbare Arbeitstische und geeignete Greif- und Handhabungshilfen können Mitarbeitenden dabei helfen, während des gesamten Produktionsprozesses eine natürlichere Körperhaltung einzunehmen.
Unternehmen sollten außerdem die tatsächlichen Bewegungsabläufe an den einzelnen Arbeitsplätzen analysieren. Wenn sie die Mitarbeitenden direkt in diesen Prozess einbeziehen, können sie belastende und wiederholte Bewegungen frühzeitig erkennen und Arbeitsabläufe entsprechend verbessern.
Ergonomieprogramme für eine nachhaltige Prävention
Unternehmen können diese Maßnahmen in umfassenden Ergonomieprogrammen bündeln und dabei Mitarbeitende, Führungskräfte, Arbeitsschutzverantwortliche und weitere Fachkräfte einbeziehen.
Durch die Beobachtung der Arbeitsplätze lassen sich besonders belastende Tätigkeiten erkennen, Risikofaktoren bewerten und Verbesserungsmaßnahmen priorisieren. Bei Bedarf können auch Physiotherapeuten und andere Fachkräfte aus dem Bereich der Arbeitsmedizin und Ergonomie Unternehmen dabei unterstützen, die Auswirkungen bestimmter Bewegungen auf Muskeln, Nerven und Sehnen besser zu verstehen.
In den USA bietet die Occupational Safety and Health Administration (OSHA) ebenfalls Empfehlungen zur Erkennung ergonomischer Gefährdungen und zur Prävention von arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen (work-related musculoskeletal disorders).
Ergonomie und Produktionsleistung
Eine gute Ergonomie trägt nicht nur dazu bei, das Risiko von arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen zu reduzieren. Sie kann auch Produktionsaufgaben erleichtern, unnötige Bewegungen vermeiden und Mitarbeitenden helfen, ihre Leistungsfähigkeit über den gesamten Arbeitstag aufrechtzuerhalten.
Indem Unternehmen Ergonomie in ihre kontinuierlichen Verbesserungsprozesse und Lean-Manufacturing-Initiativen integrieren, schaffen sie sicherere, effizientere und nachhaltigere Produktionsumgebungen.
Das Ziel ist klar: Arbeitsplätze an den menschlichen Körper anpassen, unnötige wiederholte Bewegungen reduzieren und Mitarbeitende dabei unterstützen, ihre Aufgaben sicher, komfortabel und effizient auszuführen – heute und langfristig.




